Kleine Gedanken zu Fado

Am Wochenende war ich in Alfama zu einem Fado – Festival. Ich will gar nicht groß weiter etwas dazu erzählen, nur:

1/ nach so einem Abend glaubt man, dass alle Menschen gute, kräftige Stimmen haben müssen, die jeden Ton treffen.

2/ So sehr ich auch ein Bewegungsmensch bin, wenn es um Musik geht. Fado bewegt höchstens ein klein wenig die Hüfte, ganz vorsichtig, sodass der Kopf still bleiben und versuchen kann, die Tiefe dieser Worte zu erkennen.

P.S. Dieser Eintrag wirkt genauso pathetisch und schmalzig, wie der Fadogesang und nur deshalb kann ich ihn mir selbst verzeihen. 😉

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Anfangen…

Nach dieser sehr langen Zeit, in der ich diesen Blog nicht genutzt habe, fällt es mir etwas schwer, einen Anfang zu finden. In den letzten Tagen sind mir immer wieder Worte im Kopf herum gewuselt, die in einen Blog gepasst hätten, dabei bin ich nicht einmal sicher, ob ich überhaupt die Motivation dafür finden kann, dauerhaft einen Blog zu führen. Dies hier, ist also der Versuch, möglicherweise bleibt es auch bei diesem. Ich werde sehen.

P1040089Seit Anfang September bin ich nun also in Lissabon, besuche einen Intensivsprachkurs und am Montag soll dann auch ganz offiziell die Uni starten.
Mir gehen Einzelheiten durch den Kopf, die ich gerne teilen würde. Ich merke aber auch gleich, dass ich mich sorge, was ich über dieses Land und seine Menschen weitergeben könnte, was nur meinem eigenen Wahrnehmen entspringt – und genau das werde ich so auch tun. Mein Wahrnehmen mitteilen. Ich nehme sehr gern Kommentare dazu entgegen. 🙂

Zum Geburtstag habe ich von David und Tanja ein Buch bekommen, aus dem mir oft Sätze durch den Kopf gehen, wenn ich in der Stadt unterwegs bin.  „Lissabon-im Land am Rand/Lisboa-num país sempre à beira“ von Alexandra Klobouk. Da ich denke, dass sie einiges schon so gut formuliert hat, dass mir meine eigenen Worte dagegen nicht ausreichend erscheinen – werde ich sie wohl hin und wieder zitieren.
So, genug der einleitenden Worte.

P1040228Als ich hier angekommen bin, fühlte ich mich von der Wärme und der fremden Stadt verschluckt. Die ungefähr 90 Stufen hinauf in meine WG mit zwei großen Rucksäcken eine schiere Unendlichkeit. In den ersten Tagen habe ich mich ständig verlaufen in diesem Labyrinth aus sich ähnlich sehenden runden Straßen, die ständig Berg auf oder ab führen.

„Man muss sich keine Sorgen machen, dabei verloren zu gehen – auf der einen Seite ist immer der Tejo, auf der anderen Seite immer ein Berg. … Dann weiß man, es ist nicht so wichtig, wo genau man gerade ist.“

„Não é preciso preocupar-se com o medo de se perder – de um lado está sempre o Tejo. De outro lado, sempre uma colina. … Então sabe-se que não é tão importante o lugar onde uma pessoa se encontra.“

A. Klobouk

So entspannt konnte ich damit zu Beginn zwar nicht umgehen, doch so langsam finde ich meine Wege und eigentlich ist die Stadt nur so groß, dass man sich das Zentrum (und auch bis hin zu meiner Wohnung) erlaufen kann.
P1040230Lisboa wirkt auf mich laut, voll, chaotisch, aber vor allem lebendig. Die Stadt ist voller Sprachen und unterschiedlicher Menschen. Als mich Lena besuchen kam, konnten wir gemeinsam erste Eindrücke dieser farbigen, leuchtenden Stadt entdecken und viele dieser unglaublich äthetischen Häuschen und Gassen durchschlendern. Der Sommer ist noch immer hier, auch wenn es abends recht schnell kühl und vor allem windig wird. Die Luft ist voll von Gerüchen, oft zu intensiv für meinen Geschmack. Manche von ihnen erinnern mich an Panamá, auch hier wird vorwiegend mit Chlor sauber gemacht und auch Hitze hat einen ganz speziellen Geruch, wenn man aus einem kühlen Hausflur tritt.
Portugiesisch ist eine schöne Sprache. Sie gefällt mir. Gefällt mir sogar besser als Spanisch. Melodisch ist sie, aber auch voller von S- und Sch-Lauten. Sie senkt die Stimme. Meine Portugiesischlehrerin sagt immer wieder (vor allem zu den Italienern in meinem Kurs), dass es sich um eine geschlossene, traurige Sprache handelt, die viel von sich selbst verschluckt und tief im Inneren gesprochen wird und sie scheint recht zu haben, auch wenn das in keiner Weise bedeutet, dass die Menschen, die sie sprechen, äußerst traurig oder melancholisch sind. Manchmal frage ich mich, ob portugiesischsprachige Menschen telepathische Fähigkeiten haben, soviel Buchstaben verschwinden in ihren Mündern. Vielleicht sind sie auch Buchstabengourmets und einfach nicht so kleinlich darin, sich etwas gutes zu gönnen.

Mit Lena bin ich am Wochenende nach Alentejo gefahren. Über die riesige Ponte Vasco da Gama, die den Tejo überspannt und bei der man sich fühlt, als überfahre man ein kleines Meer.

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Das Land im Süden von Lisboa wirkt nach dem Sommer unglaublich leer und tot. Es ist, als hätte die Stadt alles Lebendige in sich aufgesaugt und dem Umland nichts mehr abgegeben. Doch je südlicher man kommt und je näher ans Meer, umso bunter wirkt all das trotzdem so ausgelaugt scheinende Land. Unvorstellbar, wie hier Landwirtschaft betrieben wird – doch genau so ist es. Das Meer wirkt heftig und stark, die Steine und Klippen, die ihm entgegen stehen jedoch auch.

Der Eintrag wirkt unfertig und abgehackt, aber das Internet hat beschlossen, dass ihr fürs erste keine weiteren Bilder zu sehen bekommt und meine Gedanken sind sowieso genauso unfertig und verstreut, wie es mir hier scheint.

Bilder

Gerade eben bin ich bei der Süddeutschen Zeitung auf eine Bildstrecke von Panamá gestoßen. Meine erste Reaktion war natürlich Freude, da ich erwartete möglicherweise bekannte Orte zu sehen – und dieser Wunsch wurde auch teilweise erfüllt. Meine positiven Gefühle wurden allerdings sehr schnell von einer unterschwelligen Wut abgelöst, da diese 19 Bilder mit Unterschriften, die manchmal nicht einmal drei bis vier Worte übersteigen, dieses Land – welches ich nicht einmal hinreichend in einem Jahr kennen lernen konnte, in keinster Weise darstellen können. Sie zeichnen ein primitives, einseitiges, überzogenes und auch falsches Bild dieser vielseitigen Orte und der Menschen, die an ihnen leben.

Ich bin wütend darüber, dass Menschen, die diese Bilder sehen, sich daraus ihr eigenes Bild zu diesem Land machen… und noch viel mehr bin ich darüber erschrocken, dass ich mit diesem Blog nichts anderes getan habe. Das tut mir leid, da ich Panamá (und auch Österreich und den Niederlanden -auch wenn es dazu nur einzelne Einträge gibt) damit großes Unrecht antue, ich muss einfach nocheinmal betonen, dass dieser ganze Blog nur ein winzigstes Bruchteil dieses Landes beschreibt, und auch dieser Bruchteil nur eine einzige Perspektive enthält – nämlich meine.

Eine Sammlung von Bahngedanken

Die Bahn zerbricht Gespräche.
Wenn es schon mal laute, gemeinsame Worte in diesen schweigsamen, feindlichen Raum schaffen, dann werden sie meist allzu schnell und vor allem immer zu abrupt abgebrochen, durch Worte wie „Die nächste Stadion…“ und grün leuchtende Kreise.
Ich frage mich, was mit all den unausgesprochenen Gesprächsenden geschieht, denn meistens, so möchte ich behaupten, werden diese nicht zu Ende geführt, sicher unter anderem auch, weil die Beteiligten zu betrunken waren, um sich bei der nächsten Zusammenkunft noch an deren Detailinhalt zu erinnern.
Was geschieht also mit diesen Enden? Schweben sie ein wenig im Raum der Bahn bis sie der Mensch, der die Bahn sauber machen muss, mit hinausfegt? Dann liegen sie auf der Straße – durcheinander und unbeachtet, während hastige Menschen über sie hinwegtrampeln?

Sie bewegte beim Lesen in der Bahn den ganzen Kopf von links nach rechts. Als seien die Gedanken, die sie in sich aufnahm zu schwer, um sie nur mit den Augen zu tragen.

Dankjewel und eet smakelijk

20150415_155553[1]Jetzt bin ich seit ein einhalb Wochen in den Niederlanden und habe immerhin die beiden Worte aus dem Titel gelernt. 😉 Ich bin hier in der Nähe von Zwolle am Rande des Ortes Dedemsvaart bei einer Familie, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Pflegekinder aufzunehmen. Sie haben drei große Adoptivkinder, von denen einer noch hier wohnt und drei kleine Langzeitpflegkinder (10 Monate, knapp 3 und 5 Jahre) – außerdem befindet sich zur Zeit auch noch ein 16 jähriger chinesischer Austauschschüler hier. Und ich natürlich. 🙂 Die Mutter ist Niederländerin, der Vater aus England. Ich fühle mich in diesem Durcheinander an Kulturen sehr wohl. 🙂 Ich arbeite hier mit Workaway, einer ähnlichen Organisation wie dem WWoofen, was ich in Österreich gemacht hatte, also wieder Mithelfen gegen Kost und Logis. Ich helfe vor allem im Haushalt, wenn vormittags alle entweder auf der Arbeit/in der Schule/bei Oma und Opa(, die auf der anderen Hälfte des Hauses wohnen) sind, kümmere ich mich ein bisschen um den Haushalt. Nachmittags gibt es oft etwas im Garten zu tun. Neulich habe ich den Pool gestrichen. (Ich hoffe ja mal, dass es noch warm genug wird, bevor ich gehen muss. 😉 ) 20150415_144232[1]Auf der anderen Seite des Hauses wohnt der Onkel mit seiner peruanischen Frau, mit der ich mich schon schön auf Spanisch unterhalten konnte und ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich das unglaublich genossen habe, denn ja… ich vermisse es sehr, das Land, in dem ich ein Jahr gelebt habe und manchmal ist die Sehnsucht schier unerträglich. Und es ist auch unglaublich seltsam von all den Veränderungen zu hören, die sich in der Einrichtung vollzogen haben. Ich befürchte, wenn ich irgendwann wieder dorthinkomme, wird es sehr anders sein, als ich es in Erinnerung behalten habe… (Vermutlich so, wie es mir auch mit Deutschland ging, als ich es nach über einem Jahr wieder betreten habe.) 20150414_132403[1]Aber eigentlich, wollte ich jetzt gar nichts über Panamá erzählen, sondern ein bisschen von hier. ich fühle mich sehr wohl in dieser Familie, die sehr entspannt mit vielem umgeht, was mir persönlich sehr gut tut. Natürlich ist es auch sehr schön, endlich wieder von so kleinen Stöpselchen umgeben zu sein. 🙂 Meine Aufgaben hängen allerdings weniger mit den Kindern zusammen, was zwar einerseits schade ist, aber auf der anderen Seite auch richtig so, denn generell aber auch gerade bei Pflegekindern ist es nicht gerade ratsam, die Bezugspersonen alle paar Monate wechseln zu lasse. (Was das Thema angeht, muss ich nocheinmal schnell zu Panamá wechseln, ich muss nämlich leider sagen, dass ich, um so mehr ich darüber nachdenke, das System mit den Freiwilligen (und sei es auch für ein Jahr) den Kindern gegenüber nicht ganz fair finde. Jedes Jahr gewöhnen sie sich wieder an jemand neuen und beginnen diesen in ihr Herz zu schließen. Und dann wird ihnen dieser jemand immer wieder entrissen… ein schweres Thema, mit dem ich noch lange nicht abgeschlossen habe.) 20150419_183724[1]Nun aber zurück zu den Kindern hier. Ich kann euch leider keine Fotos zeigen, weil eines der Mädchen aus so schwierigen Verhältnissen kommt, dass sie ihre leiblichen Eltern nur beim Amt trifft und diese nicht wissen dürfen, dass sie hier wohnt. Ihr könnt stattdessen ein bisschen was von der Umgebung sehen. Direkt um die Ecke stehen vier Stuten mit ihren Fohlen, die ich manchmal abends besuche, um ein bisschen Frieden in mir zu schaffen. Ich liebe die Weite dieses Landes, auch wenn ich nicht weiß, ob es mir auf Dauer nicht doch zu flach wäre. Die Menschen grüßen sich durchweg (was sicher auch an der ländlichen Umgebung liegt) und ich genieße die vielen Fahrradfahrer, die einem ständig begegnen. 🙂

Ende und Anfang

  Meine letzte Woche hier in Karlsruhe ist angebrochen und es liegen nur noch drei Schichten bei der Post vor mir. Ich kann ehrlich sagen, dass ich nicht böse bin, dass diese fabrikartige Arbeit fürs erste vorüber ist, aber ich bin dankbar, dass ich diese Möglichkeit hatte.
20150306_184115Am Samstag fahre ich mit Marisa zuerst nach Dresden, dann nach Meißen und zuletzt auch noch für ein paar Tage nach Herrnhut. Ich freue mich definitv auf diese Zeit. Mitte April geht es dann für mich weiter nach Holland zu einer Familie, die Kinder in Teilzeitpflege aufnimmt und bei denen ich sogenanntes „Workaway“ machen werde. Also wieder eine Art Arbeit gegen wohnen und essen. Ich bin schon ziemlich gespannt, was diese Zeit birgt und ich muss gestehen, dass ich auch ein bisschen Bammel habe… 😉 Aber ich werde ja sehen.
20150306_184108Auf so vieles ich mich auch freue und wie oft meine Gedanken gerade auch zukunftsgerichtet sind, es gibt auch einiges an das ich mich hier sehr gewöhnt habe und dass ich vermissen werde. Allem voran natürlich Lydia, deren Gesellschaft einfach zu dem Natürlichsten auf der Welt geworden ist. :* Aber natürlich auch die alltäglichen Kleinigkeiten wie singende WG – Mitbewohner, die Brücke auf meinem Arbeitsweg herunter fahren, nachdem ich sie hochgestrampelt bin, Montagsabends mit Lydia in ihren Tanzkurs gehen, mit der Taschenlampe lesen, mit der Straßenbahn fahren,… es gäbe da wohl noch so einiges.

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Vor allem aber wohl ein GROßES persönliches DANKE an dich, Lydi.

Das Mädchen mit dem roten Fahrrad

Ich hatte schon länger vor, mal wieder von mir hören zu lassen und jetzt ist es wohl soweit. Ich bin bereits seit fast zwei Monaten in Karlsruhe, wohne bei meiner Schwester, die mich gütigerweise in ihrer WG und in ihrem Zimmer aufgenommen hat. Es ist auf alle Fälle eine sehr besondere Zeit, die wir da gerade zusammen durchleben, denn sie ist ausgezogen als ich in die erste Klasse gekommen bin, sodass ich mich nicht wirklich an ein Zusammenleben erinnern kann. Im Moment arbeite ich bei der deutschen Post im Sortierzentrum, um Geld für die nächsten Monate zu verdienen und wurde dort schon als das „Mädchen mit dem roten Fahrrad“ bezeichnet, das mir Lydia geborgt hat.
Die restliche Zeit ist oft doch auch sehr gefüllt. Wir hatten schon Besuch von unserer dritten Schwester Aline und auch Marisa, die ganz in der Nähe wohnt, war schon hier. Uuuund, wer hätte das gedacht, ich war auch schon bei ihr. 🙂 Ostern wird sie dann auch mal in den Osten mitkommen, darauf freuen wir uns beide schon ziemlich.
Einen für mich ganz besonderen Abend gab es noch in der Woche, in der Aline da war. Wir waren auf einem Konzert von NovemberDecember – einer dänischen Folkband, die gerade ihre Deutschland-/Schweiztour beendet hat. Es war ein wunderschöner Abend, angefüllt von guter Laune und schöner Musik. Es war ein gutes Gefühl, der Band zusehen zu dürfen, und zu beobachten wie viel Spaß sie selbst an ihren Instrumenten hatten. Also, wer diese Musikrichtung vielleicht auch mag, kann hier noch ein weiteres Lied von ihnen hören und damit schließe ich für heute mal.

Alles was mir so einfällt

Ich weiß, ich hatte gesagt, dass ich diesen Blog weiterführen möchte, allerdings hatte ich in Österreich nicht wirklich Internet. Jetzt bin ich schon längst wieder weitergezogen, aber ich werde wenigstens kurz etwas über die letzten drei Monate erzählen.

DSC06230Also kurz, für alle die es nicht wissen. Ich war auf der Reiterfarm Nexenhof mitten in der Pampa in Niederösterreich zwischen Hollabrunn und Retz. Ich war dort WWOOFEN, das ist arbeiten gegen Kost und Logis. (wer mehr darüber wissen will, kann ja einfach googeln) Ich habe zuerst gemeinsam mit Lena da gearbeitet und am Ende noch einen Monat allein da verbracht. Der Nexenhof ist ein Springstall, der aber auch Therapiereiten anbietet. In ihm stehen 22 Pferde verschiedenster Rassen und außerdem gibt es auch noch 8 Katzen, 8 Ziegen und 2 Hunde. Meine Aufgaben gingen vom Füttern, übers tägliche Ausmisten, zum Pferde für die Reitstunden herrichten (sprich putzen, satteln usw.) hin zu allen möglichen anfälligen Arbeiten wie Sattelzeug fetten, die Treppe zum Heuboden streichen oder Koppeln reparieren. Die Arbeit war zwar körperlich anstrengend, aber es hat mir gutgetan Zeit zum Denken zu finden. Besonders im Stall beim misten, zwischen Stroh und Pferdeäpfeln haben meine Gedanken Ruhe gefunden und ich konnte mich mit vielem beschäftigen, was mir im letzten Jahr begegnet ist und wofür ich damals keine Zeit hatte, da es immer neue Informationen und Eindrücke gab. Wenn Zeit war kam ich manchmal nachmittags selbst aufs Pferd. Das ist nach der Arbeit manchmal nicht ganz leicht gewesen, aber ich habe es trotzdem jedes mal sehr genossen.

Nun ja, und jetzt bin ich für eine Weile in Karlsruhe, kann bei meiner großen Schwester wohnen und fang Montag im Verteilerzentrum der deutschen Post an. Ich genieße es sehr wieder in einer Stadt zu wohnen und nicht erst 25 Minuten zum nächsten Bahnhof zu laufen, obwohl ich auch die Arbeit an der frischen Luft und die Tiere vermisse.
Die Weihnachtstage zu Hause mit meiner Familie habe ich sehr besonders wahrgenommen und auch die vielen Abende mit Freunden. Ein weiterer Vorteil an Karlsruhe ist, dass Marisa ziemlich in der Nähe wohnt – wir hatten glaube ich beide nicht damit gerechnet, so schnell und so oft die Möglichkeit diverser Wiedersehen zu haben, glaube ich.
So, nun habe ich mich also doch endlich nochmal gemeldet und hoffe, dass es diesmal desöfteren neue Nachrichten von mir gibt.

Zwischen den Welten

Ich habe lange nichts geschrieben. Ich bin nun schon über zwei Monate wieder in Deutschland. Die Zeit war angefüllt mit vielen Dingen, vielleicht mit zu vielen Dingen, obwohl ich sie beinahe alle genossen habe.
Immerwieder habe ich daran gedacht, einen abschließenden Blog zu schreiben, aber ich wusste einfach nicht, wo ich hätte anfangen sollen. Ich habe in den letzten Wochen nicht einmal Tagebuch schreiben können, so schwer ist es mir gefallen, meine Gefühle, Gedanken und Eindrücke in Worte zu fassen. Jetzt kam mir aber die Idee einen Text, den ich noch in Panamá geschrieben habe, kurz vor meiner Rückreise, hochzuladen. In ihm hatte ich versucht, meine Zerrissenheit festzuhalten.

Winnie the Pooh: „We are glad, we have something, which makes saying Goodbye so hard.“

Mein Herz wird schneller und will diesem Moment entgegen rasen, als könnte es, wenn es nur schnell genug schlägt, auch die Zeit vorwärts drängen. Dabei vergisst es für einen winzigen Moment, dass es nicht weiß, in welche Richtung es schlagen soll. Wofür es sich entscheiden soll. So gern will es doch die Zeit anhalten, die Sekunden retten – vor dem Verstreichen. Will für immer in dieser Zeit stehen bleiben, leben und leben und leben an diesem Ort, in dieser Zeit. Es zittert, es springt, wird mal schnell, mal bleibt es fast stehen und stolpert vor sich hin, fällt fast, bei dem Versuch zu laufen, wie ein Kind, dem man im selben Moment anbietet mit zwei verschiedenen Spielzeugen zu spielen und es weiß doch, dass es nur eines nehmen kann, dass eines das andere unweigerlich ausschließen muss. Und so wendet und dreht es sich und betrachtet alle beide und versucht herauszufinden, welches wohl schöner sei. Doch es kann sich nicht entscheiden, es gibt keine Möglichkeit. Und genauso weiß mein Herz schon, dass es gar keine Entscheidung mehr treffen kann, dass sie schon getroffen wurde. Von der Zeit. Von Entscheidungen, die früher getroffen wurden, zu einer Zeit, in der man noch nichts von ihnen und ihren Auswirkungen verstand. Als es noch leichtfiel, sie zu treffen. Und so kann es nur zusehen, stolpernd versuchen beides einzufangen, zu speichern, einzuschließen, in einer Kammer voll von schöner Erinnerung. Es will ja versuchen, sich damit abzufinden, dass schon entschieden wurde, und es will so gern, dass die Freude komplett wäre, in einer Richtung, in der vorbestimmten Richtung. Doch es geht nicht und es ist auch gut, das es nicht geht, so sehr es sich daran auch zerreißt. Sosehr es auch zerrt und zappelt, so liebt es doch beides und so wird es auch weiterhin beides lieben. Und genauso ist es bereit, den Schmerz dafür zu tragen, denn es ist der Ausdruck der Liebe zu dem Verstreichenden und die Stiche, die jede verstreichende Sekunde hinterlässt sind etwas, das ich gern ertragen will, denn, wie Bob Marley schon sagte : „You have to find the ones worth suffering for.“
Ich habe etwas gefunden, für dass es sich zu leiden lohnt. Diese Zeit, dieses Land, diese Menschen, deren Abschied mir so weh tut – sie sind es wert. Dieser schmerzhafte Abschied ist nur ein geringer Preis für all das was mir gegeben wurde, was mir in diesem letzten Jahr geschenkt wurde.
Dieser Druck unter dem mein Herz schlägt. Er ist ein geringer Preis und ich bin mehr als bereit ihn zu zahlen.

Ich bin immernoch bereit diesen Preis zu zahlen und ich zahle ihn täglich, denn es fällt mir nicht immer leicht in Deutschland zu sein. es gibt viele Dinge, die mich manchmal verrückt machen und mit denen ich nicht mehr gut klarkomme. Mit der Zeit habe ich mich zwar wieder an den Alltag gewöhnt, aber es ich vermisse Panamá, ich vermisse Chorrillo, ich vermisse „meine“ Kinder und ich vermisse Marisa, ohne die ich dieses Jahr nie so erlebt hätte, wie ich es habe und ohne die ich es vielleicht auch nicht hätte zu Ende bringen können! ¡Gracias, compañera, hermana y amiga!

Im Moment laufen die Vorbereitungen für den nächsten Abschnitt meines Lebens. Ich habe beschlossen diesen Blog weiterzuführen, also könnt ihr hoffentlich demnächst mehr darüber hören.